Jules Massenet: Don Quichotte
Inszenatoren
- Musikalische Einstudierung: H. M. Förster
- Musikalische Leitung: H. M. Förster, T. Brauner
- Regie: J. Nekvasil
- Bühnenbild: D. Dvořák
- Kostüme: J. Jelínek
- Choreographie: Š. Capko
- Chorleitung: T. Karlovič, A. Melichar
Besetzung
- Dulcinea: G. Ibragimova, A. Kalivodová, G. Ibragimova, A. Kalivodová
- Don Quichotte: R. Amoretti, I. Tomašev, R. Amoretti, I. Tomašev
- Sancho: N. Colín, J. Kettner, N. Colín, J. Kettner
- Pedro: H. Jonášová, V. Likérová, H. Jonášová, V. Likérová
- Garcias: A. Miro, J. Zsigová, A. Miro, J. Zsigová
- Rodriguez: J. Moravec, M. Šrejma, J. Moravec, M. Šrejma
- Juan: J. Hruška, J. Ondráček, J. Hruška, J. Ondráček
- Der Räuberhauptmann: M. Sochor, M. Sochor
In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Pantomime an der Akademie der musischen Künste in Prag. Unter Mitwirkung der Akrobaten des Ensembles SACRA CIRCUS Prag.
The protagonists of Jules Massenet’s operas and oratorios are mostly female, as is indeed implied already by the names of his works: Thaïs, Hérodias, La Navarroise, Sappho, Ariane, Thérèse, Grisélidis, Cendrillon, Cléopâtre, Manon, Marie-Magdeleine. Setting an exception to the rule, the hero of Massenet’s last opera is a man, after all. Namely, Don Quixote, in the eponymous opera subtitled “comédie héroïque.” Massenet’s librettist, Henri Cain, drew his material from a French stage adaptation of the Cervantes novel, from the pen of Massenet’s contemporary, Jacques Le Lorrain, entitled Le Chevalier de la longue figure. The role of Don Quixote was made to measure for the legendary Russian bass, Fyodor Shalyapin. The latter triumphed in the opera’s premiere, in Monte Carlo, on February 19, 1910, and it was doubtless thanks to him that the work became widely staged and known. He also guest-appeared at the National Theatre in Prague, on June 1, 1934. The premises of today’s Prague State Opera saw one previous staging of Don Quichotte, a production that ran from 1965–1967 on the stage of the then Smetana Theatre under the baton of Albert Rosen and directed by Luděk Mandaus.
Premiere: 18. 3. 2010
Echos in der Presse
„Diese Produktion kann auch die junge, interessierte Generation anlocken.“
(Marie Hakenová, Hudební rozhledy 6/2010)
Ein Wort des Regisseurs
Als wir mit dem Szenographen Daniel Dvořák die Regie- und szenische Konzeption überlegt haben, wollten wir die klischeehaften Vorstellungen über die Gestalt des Don Quixott vermeiden – einen Ritter im Harnisch und mit einer Lanze, wie ihn der französische Maler Gustave Doré dargestellt hat. Unser Ziel war es, ein der lyrischen Musik Massenets enstprechendes szenisches Bild zu finden, die Gefühle der Trauer und der Nostalgie zu erfassen, zugleich aber auch die Realität, die in die Phantasie übergehen kann, ohne dass wir das bemerken. Schließlich haben wir unsere Inspiration in der Atmosphäre des italienischen Neorealismus im Film an der Wende der 50er und der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts gefunden, auch im Schaffen von Federico Fellini aus jener Zeit. Und auf einmal hatten wir das selbe Gefühl, wie beim Anhören der Musik Massenets – die Trauer und die Träumerei, die Realität und die Sehnsucht nach einer Illusion zugleich. Wir haben eine fast leere Bühne gewählt, die einen Platz hinter einem Filmstudio darstellen soll. Unsere Gefühle sind jedoch nur die eine Dimension, man kann sich auch woanders befinden, vor allem ist es ein magischer Raum der Theatermetapher. Wir befinden uns in einer Zwischenzeit – eine Filmaufnahme ist gerade beendet worden und die nächste wird vorbereitet, eine Illusion ist verschwunden und eine andere soll erst eintreten. Dulcinea ähnelt einem Mädchen aus italienischen Filmen, vielleicht ist sie Filmschauspielerin, vielleicht auch nicht. Don Quixotte und Sancho Panza sind zwei ausgedienten Clowns, die eigentlich niemand mehr braucht, ihr Ruhm – falls es je einen gegeben hat – ist bereits Vergangenheit. Manchmal sind sie zum Lachen, zugleich fühlen wir auch Mitleid mit ihnen, man kann sie aber auch kaltblütig ausnützen. Die beiden Figuren erscheinen auf der Bühne dennoch auch in der Gestalt, in der wir sie aus Dorés Illustrationen kennen – als Spiegelbild unserer beiden Clowns, als ein weiterer Teil der geträumten Dimension.
Die unbestimmte Grenze zwischen Illusion und Realität sagt aus, dass das Hauptmotiv unserer Inszenierung – und damit kehre ich zum oben Gesagten zurück – der Ausdruck der Gefühle und der Atmosphäre der lyrischen Musik Massenets ist. Selbstverständlich kommen aber auch die epischen Momente zum Wort: Das Volksfest im 1. Akt, die Episode mit der Halskette und den Banditen im 3. Akt und das Fest bei Dulcinea im 4. Akt, bei dem eine dekadente Gesellschaft zusammenkommen wird, wie aus dem Film La dolce vita Fellinis. Auch die wenig plausible Szene mit den Banditen findet in unserem Konzept ihre Berechtigung und ihren Platz: Es ist in ihr viel Wahrheit (auch den noch so großen Schurken kann das Gute beugen) und auch viel Illusion, dass es wirklich so geschehen hätte können.
Die Rosinante Quixottes ist in unserer Inszenierung ein Fiat 500 mit Rollverdeck, Sanchos Esel ist ein Motorrad, und auch das entspricht den italienischen Filmen der 50er und 60er Jahre. Der Fiat und das Motorrad, das ist eigentlich ein Ausdruck eines road movies, einer Suche nach einer Illusion… Es ist eine besondere Art von Mystifizierung: Don Quixotte irrt durch die Welt, von der Sehnsucht nach einem Ideal getrieben. Schließlich verliert er seine Illusionen – und stirbt. Es gibt kein Ziel zum Wandern mehr.
Jiří Nekvasil
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