Šimon Caban (geb. 1963) ist Architekt, Szenograph, und wie sein Bruder, ein universaler Bühnen-, Film- und Fernsehkünstler. Er studierte Szenographie an der Schule für angewandte Kunst in Prag und an der Hochschule für angewandte Kunst im Atelier von Prof. Josef Svoboda, wo er im Jahre 1981 mit der Inszenierung von Antonius und Kleopatra von Shakespeare absolviert hat. Bereits in dieser seiner Arbeit konnte man sehen, daß die Szenographie für ihn nicht nur einen Hintergrund des Bühnengeschehens darstellt, sondern einen Partner für den Schauspieler und einen Bestandteil der ganzen Regie und der dramatischen Entwicklung auf der Bühne.
Die beiden Brüder – Šimon und Michal – haben 1991 ein Ensemble mit dem Namen »Baletní jednotka Křeč« (Die Balletteinheit Krampf) gegründet. Mit diesem, das auch durch die gemeinsamen Veranstaltungen mit der Theatervereinigung »Pražská 5« (Die Prager 5) bekannt geworden ist, haben sie Theatervorstellungen, multimediale Veranstaltungen, Filme und Fernsehproduktionen realisiert. Von Wichtigkeit war für sie ihre Mitwirkung im Film Miloš Formans Amadeus im Jahre 1983, in der Szene aus dem Don Giovanni in der Choreographie von Twyla Tharp. Eine darauf folgende Serie von eigenen Theater- und audiovisuellen Produktionen fand am Ende der 80er Jahre in dem »rock-tänzerischen Ereignis« Die Show des Thomas Tracy (1989) ihren Höhepunkt. Das Ensemble »Křeč«, gemeinsam mit der Rock-Gruppe »Laura a její tygři« (Laura und ihre Tiger), hat im damaligen Kulturpalast auf einer Bühne mit mehreren Ebenen vor 4 000 Zuschauern eine verblüffende musikalisch-visuelle Show gezeigt, die das Publikum zum Tanz mitgerissen hat. Die langjährige Zusammenarbeit mit den Ensembles der »Prager 5« gipfelte im Jahre 1989 im nach dieser Theatervereinigung genannten Film von Tomáš Vorel. »Křeč« hat hier den Tanzfilm Die Farben in der Choreographie und Co-Regie von Michal Caban realisiert. Mit demselben Ensemble und weiteren Tänzern haben die Cabans mehrere Szenen in Filmen, Fernsehproduktionen und Videoclips choreographiert, wie z. B. im Film Der Rauch von Tomáš Vorel (1991), Die Prager haben’s gut von Karel Smyczek und Michael Kocáb, in den amerikanischen Filmen Dune (2000) und Children of Dune (2002).
Im Jahre 1992 haben die Brüder Caban den abendfüllenden Film Don Gio vollendet, einen expressiven moralisch-kulturellen Horrorstreifen nach Motiven aus den Opern W. A. Mozarts. Sie haben mit diesem Werk, das unter Verwendung des mozart-faustischen Mythos auf die Veränderungen in der Prager kulturellen Gesellschaft nach der politischen Wende reagiert, dem tschechischen Film das Tor zur Postmoderne geöffnet.
Šimon Caban arbeitete mit dem Ensemble »Opera Mozart« auch an den experimentellen Produktionen The Best of Mozart (1990) und Serail Live! mit der Musik von Mozart zusammen. Im Jahre 1994 hat er die Szenographie für das Musical Meine fair Josephine im Karlín-Theater und für das Ballett von Roman Balogh Casanova am Theater in Plzeň geschaffen.
Michal Caban arbeitete als Choreograph mit der österreichischen Gesellschaft für Musiktheater »Arbos« an den Opernvorstellungen und szenischen Konzerten Später Nachmittag im Paradies (1992), Die Versunkene Welt, O. T., Der Kaiser von Atlantis (1993), KAR (1994), die in Klagenfurt, Salzburg, weiters in Deutschland, in der Schweiz und auch in Prag aufgeführt wurden. Für das Tschechoslowakische Fernsehen realisierte Michal Caban eine Dokumentation in drei Folgen über den Tanz und die Bewegung in der Tschechoslowakei Die möglichen Wege für die Bewegung 1–3 (1991), ein spezielles Programm mit der Gruppe »Šum Svistu«, Der geheime Film (1991) und die Fernsehproduktion der Oper Don Giovanni (1991) vom Ständetheater Prag. Der bis jetzt letzte Film in der Regie von Michal Caban und mit der Ausstattung von Šimon Caban trägt den Titel KusPoKusu (StückfürStück, 1998), der aus sieben choreographisch-bildnerischen Visionen besteht. Er wurde beim Internationalen Festival »Das goldene Prag« 1998 mit dem Sonderpreis ausgezeichnet, ebenso auch beim Fernsehfestival IMZ Dance Screen 1999 in Köln.
Mitte der 90er Jahren haben die Brüder Cabans eine unkonventionelle Modeshow von Simona Rybáková und Ida Saudková realisiert. Diese wurde – unter Mitwirkung der Mitglieder der Vereinigung »Die Prager 5« und weiterer populärer Schauspieler und Sänger – unter dem Namen Fashionshow aus Secondhand (1995) realisiert. Eine Fernsehdokumentation dieses Ereignisses erzielte mehrere Reprisen. Mit dem Ensemble »Křeč« haben sie eine »sentimental positive Theatervorstellung« Wir beginnen zu schließen (1996) aufgeführt, eine Reflexion der Kindheit, der Jugend und der Pubertät. Ihr letztes szenisches Projekt ist eine »industrielle Vision« Corpus Sex Machina (1999), die im Rahmen des Internationalen Theaterfestivals »Vier + vier Tage in der Bewegung« in den Räumen einer ehemaligen Fabrik in Prag-Karlín stattgefunden hat.
In den letzten zehn Jahren sind die Brüder Cabans und ihre Mitarbeiter ein gefragtes Autorenteam für die Organisierung von Firmenpräsentationen und anderen Festlichkeiten geworden. Ihre Veranstaltungen sind originell, zeichnen sich durch ihre Live-Bühnenaktion und souveräne Professionalität aus. In den Jahren 1995–2000 waren sie für das architektonische Milieu des Filmfestivals in Karlovy Vary verantwortlich sowie auch für die dortigen Begleitprogramme und sonstigen Events. Diese Zusammenarbeit setzen sie nun fort. Sie sind auch die Autoren des Trailers des Festivals aus dem Jahre 2000. Auf ähnliche Weise haben sie mit dem Fernsehfestival Das goldene Prag zusammengearbeitet (1999–2001) und mit der Akademie der populären Musik (2000–2001).
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre haben sie sich choreographisch an musikalischen Programmen für das Tschechische Fernsehen in der Regie von Jiří Nekvasil beteiligt, und zwar an der Dokumentation Erwin Schulhoff – Meine Zähne klappern im Shimmy-Rythmus (1995) und an den szenischen Bibelots von Bohuslav Martinů Die Tränen des Messers, Der wunderbare Flug (1998) und Die Stimme des Waldes (2000).
Die architektonischen Arbeiten von Šimon Caban haben mehrmals den Grand Prix für Architektur erhalten. Er kehrt ständig auch zur Choreographie zurück, wie z. B. in der Oper Die Brandenburger in Böhmen von Bedřich Smetana am Nationaltheaater Prag 1997. Für die Staatsoper Prag schuf er das Bühnenbild für die Oper Arrigo Boitos Nerone (1998). Šimon Caban und die Kostümbildnerin Simona Rybáková waren auch die Komissäre für die tschechische Exposition, die bei der Ausstellung Prager Quadriennale 1999 zum ersten Mal für die Tschechische Republik den höchsten Preis, die Goldene Triga, erhalten hat. Im selben Jahr hat Šimon Caban das Bühnenbild für das Musical Hamlet von Janek Ledecký im Theater »Kalich« geschaffen, und zwei Jahre später führte er die Regie in einem neuen Musical von Ledecký, Galileo (Kostüme von Simona Rybáková). In seiner Regie und mit den Kostümen von Simona Rybáková wurde in dem selben Theater auch das Kammerdrama von Michael Mackenzie Die Baroninnen aufgeführt. Beide zeichneten auch für die Ausstattung der Produktion von Die Verwüstung (Divadlo bez zábradlí, 2001) und Warten auf Godot (Činoherní klub, 2002). Die letzte gemeinsame Arbeit der Brüder Caban mit Simona Rybáková war die Oper Das schlaue Füchslein von Leoš Janáček im Jahre 2003 am Nationaltheater Prag.
-
24. 05. 2012 um 19:00
G. Puccini: Tosca
Weitere Informationen -
25. 05. 2012 um 19:00
G. Puccini: La Bohème
Weitere Informationen -
26. 05. 2012 um 19:00
G. Puccini: Madama Butterfly
Weitere Informationen
